zelzius

Der Mythos von A & B

In Gesundheit ohne Gewicht on März 4, 2010 at 9:47 am

Wenn ich nochmal schreiben muss, dass gesunde Ernährung und Bewegung gesund sind, krieg ich Pickel. Abnehmen und bewegen, abnehmen und bewegen, abnehmen und bewegen – das Mantra: garantiert ohne Wirkung. Aber ich muss es schreiben. Erstens weil es wahr ist, zweitens, weil es so schön die gesundheitliche Verantwortung in die Hände des Individuums legt. Mit der Wahrheit bin ich mir inzwischen nicht mehr so sicher. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass gesunde Ernährung und Bewegung nur Ausdruck anderer Parameter sind, die uns gesünder machen. Zum Beispiel ein erfüllter Job mit kreativem Spielraum, gefühlsreiche Beziehung und die Möglichkeit, sein Leben selbst zu gestalten und zu verändern. Und das liegt oft nicht nur in den Händen des Individuums, sondern ist Ausdruck gesellschaftlicher Zusammenhänge. Tatsächlich gibt es inzwischen auch eine Reihe von Hinweisen, die zeigen, dass unser beruflicher Gestaltungsspielraum, unser Grad an Einsamkeit, unser Erfülltheit durch ein sinnstiftendes Lebensziel, ein tragender Freundeskreis einen Einfluss auf Gesundheit haben. Es gibt solche Studien und sie zeigen, dass etwa Einsamkeit eine ebenso negativer Faktor für die Gesundheit ist wie ungesunde Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel. So ganz kommt das in der Öffentlichkeit aber nicht an. Denn ein Begriff wie Einsamkeit ist schwieriger zu definieren als die Extrakilos, die man per Waage messen kann. Hinzu kommt, dass man beim Thema Übergewicht schnell den Schuldigen legen kann: Du, du isst einfach zuviel. Aber wer oder was ist Schuld an Einsamkeit oder an mangelndem Gestaltungsspielraum im Job? Je flexibler ein Arbeitnehmer seine Zeit gestalten kann, umso gesünder ist er. Unflexible Arbeitszeiten als Risikofaktor. Wer ist denn jetzt daran Schuld? Unsichere Jobverhältnisse schlagen auf die Gesundheit. Aha, jetzt ist also die Politik, das Wirtschaftssystem, die Gesellschaft Schuld. Da wir alle daran beiteiligt sind, sind wir also alle mitschuld an der wachsender Zahl chronischer Erkrankung, der Epidemie des Übergewichts und Diabetes? Statt also den Einzelnen zum (gähn, Pickel krieg) Abnehmen und Bewegen zu überreden, solle man seinen mikromalen Einfluss nutzen, um gesellschaftliche Prozesse anzustoßen? Ich freu mich über jeden Denkanstoß, den ich schreiben darf (z.B. hier). Und als nächstes denke ich über diese News nach, die neulich durch den Ticker ging: „Ein niedriger IQ ist ein bedeutsamerer Risikofaktor für die Gesundheit als Übergewicht und Bewegungsmangel“. Macht Dummheit krank? Woher kommt Dummheit? Was ist Dummheit? Was sagt eigentlich der IQ aus? Ist er nun angeboren oder nicht? Dazu beim nächsten Mal mehr. Als ich die News entdeckte, war es halb vier Uhr nachts und ich habe sofort einen Online-IQ-Text gestartet. Eine Katastrophe. Ich rechne mit meinem baldigen Ende…

(Foto: photocase, vandalay)

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