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Archive for the ‘Philosophie’ Category

I like Lionel Shriver

In Lionel Shriver, Michel Foucault, Philosophie on Oktober 22, 2013 at 10:21 am

PhotoSuse_photocase.com

When we sit down for breakfast (which is around noon) we usually discuss one common problem: Do you need to have read Foucault, Judith Butler, and Adorno? Or is it enough to scan the comments about their books on Amazon? The answer of M. (not in the picture) is usually: I give a shit! So I contemplate the problem all by myself, aloud, to annoy my boyfriend.
I would love to read those three. I think it is impossible to understand health prevention failure without Foucault, impossible to persuade my boyfriend to wear a dress without Butler (I did so with my ex-boyfriend, which may explain why he is ex), and impossible to make sure other people really understand how deep I am without mentioning Adorno.
Last week my girlfriend, who used to be a ground school teacher, exclaimed over coffee, “Good God, you have never read Foucault? But I lent you his book! “Yeah,” I said, “I gave it back, but I didn’t read it.” It was about sexuality, and I don´t like that topic. (As opposed to my girlfriend, who is now in training to become a psychoanalyst – thank you Foucault.) The whole experience was an awakening. What a good way to show off – “What, you have never read …?”
So, what sounds better: What, you have never read Foucault, Butler, or Adorno? Since my girlfriend/ex-teacher/soon-to-be psychoanalyst was opting for Foucault, I thought I should choose somebody else. Judith Butler, I guess. Since I´m a feminist (not the only one in the household since my girlfriend/exteacher/soon to be psychoanalyst found the book “Stiffed” by Susan Faludi on the street and gave it to my boyfriend for Christmas.) Judith Butler would be the person to choose to show off with. Yet, the comments on her books are disheartening: unreadable, full of hot air, painful, overblown, verbal garbage, not doing the cause any good … etc. And you might meet somebody who can answer your snobby question with: yes I read her, but what a pain. And that is not good for your cause: to elicit the most awe in the other.
Adorno I don´t know shit about, and he doesn’t sound so hip. No idea, why. So Foucault is it. Maybe not the S-stuff, but something less well known. Yet, I don´t want to read that stuff, waste of time, I rather go on with the next book of my newly discovered favorite author Lionel Shriver. (M mumbles by now; “are you through thinking aloud, want another Weisswurst?”) It seems like an unsolvable dilemma. Yet I solved it. I promised my boyfriend five 20 minute long backrubs when he reads Foucault (in English) and summarizes it for me. He agreed. The only other way would be that Lionel Shriver sends me an email. Telling me she would have a glass of wine with me in the Unterfahrt (Munich Jazzclub), but only when I have read Foucault /Butler/Adorno. Otherwise, having a conversation with me would be just too dull for her. Then I would do it.
I like it when the reader takes something home with them from my texts. This is a start: close your eyes and try to write the name of the French philosopher that I have mentioned eight separate times. If you get it right, you have learned something. The next blog, I promise, is a summary of that guy.

photo*: PhotoSuse / photocase.com

* This is not my boyfriend.

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Warum es so wahnsinnig schwer ist, ein Monist zu sein

In Gehirn, Geist, Leib-Seele-Problem, Philosophie on August 25, 2011 at 6:39 pm

Leib-Seele-Problem

Ich bin Monist, weil es – als ich das Wort zum ersten Mal hörte – alle um mich herum waren. Das hat ein neurobiologisches Forschungsinstitut so an sich. Seither behaupte ich das bei jeder Gelegenheit. Ich bleibe auch meist unwidersprochen. Was damit zu tun hat, dass wenige wissen, was nun wirklich ein Monist ist. Ich auch nicht. Aber ich komme langsam dahinter. Für einen Monisten gibt es keine Trennung zwischen Körper und Geist. Klar doch, denke ich als Neurobiologin. Wozu brauch ich einen Geist, steckt doch alles in den Nerven. Die Empathie in der vorderen Inselrinde, der Schmerz in den C-Fasern, die Angst in der Amygdala und das Erkennen meiner Großmutter in der Großmutterzelle. Einen Geist hat noch keiner verortet, muss man auch nicht. Ist ja wohl mehr ein Konstrukt der Menschen, die aufgrund ihrer früheren Geburt nicht die Gelegenheit hatten, kleine Elektroden in Froschhirne zu stecken.
Nun gibt’s da aber scheinbar ein Problem. Ich versuch das mal so zu erklären (Northoff, Singer, Roth, Pöppel mal bitte weghören): Mentale Zustände sind durch das Erleben gekennzeichnet, zum Beispiel das Erlebnis von Schmerz, Mitgefühl, Liebe oder Lust. Der Erlebnisgehalt, sie werden Qualia genannt, macht den mentalen Zustand aus. Diese sind nur subjektiv erfahrbar, nicht naturwissenschaftlichen – also in der Perspektive des Beobachters – Messungen zugänglich (Da war mir jetzt Leonhard Hennen und Kollegen vom Büro für Technikfolgenabschätzung behilflich). Aus dem Beschreiben der neurobiologischen Vorgänge im Gehirn ergibt sich nicht die Qualität des mentalen Vorgangs. Die Qualia beruhen auf materillen Vorgängen, gehen aber darin nicht auf. Kurz gesagt: Nervenzustand und mentaler Zustand korrelieren nicht. Noch kürzer: Es gibt einen Unterschied zwischen Gehirn und Geist. Ich denke ja eher: Klar ist das mit der Qualität komplex, aber nur weil wir es jetzt noch nicht erklären können, in ein paar Tausend Jahren vermutlich schon. Es kommt mir ein bisschen verzweifelt vor: Wir können nicht erklären, wie die Welt entstanden ist, daher muss es Gott geben. Wie können nicht erklären, wie unser Gehirn Bedeutung schafft, daher muss es einen Geist geben. Gott und Geist fangen auch noch beide mit G an. Wen das nicht stutzig werden lässt.

Geistiger Twitter

Was mich dann aber schon mehr überzeugt und nochmal mehr, weil der, der das sagt, damit seinen eigenen früheren Vorstellungen widerspricht – wer hat schon so viel Geistesgröße –, ist Hilary Putnam: Bedeutungen sind nicht im Kopf, sondern verweisen auf die Umwelt. Mentale Zustände sind nicht zu beschreiben, wenn man nicht gleichzeitig das, was sie repräsentieren – eben die Umwelt – miteinbezieht. Mein Gefühl ist ja, je komplizierter etwas wird, desto wahrscheinlicher ist es richtig. Und das klingt kompliziert. Aber vor allem zeigt es, dass unser Gehirn/Geist kein Einzelgänger ist, es ist eine Austausch- und Kommunikationszentrale, ständig auf Durchfluss geschaltet, geistiger Twitter sozusagen. Kurz gesagt: Mentale Zustände sind nicht eindeutig durch neuronale Zustände beschreibbar, Geist und Gehirn müssen unterschieden werden.
Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob man, wenn man diese These unterschreibt, nun schon automatisch kein Monist mehr ist. Ich frag mich auch, ob man nicht in den besagten ein paar Tausend Jahren auch das Dilemma neurobiologisch mit links gelöst hat. Schon jetzt – kluge Sache – werden ja die Gehirnaktivitäten zweier Menschen beim Gefühlsaustausch beobachtet. Der Gehirnscan zeigt, wie sich die Gehirne mit der Zeit aufeinander einschwingen. Wen die Bedeutung oder der Geist irgendwo dazwischen liegt, sollte man das eigentlich auch irgendwann neurobiologisch runterbrechen können. Haben übrigens die Theologen nach dem Tod Gottes auch gemacht, das mit dem Dazwischenlegen. Gott wurde aus dem Himmel geholt und einfach zwischen die Menschen gelegt, als Liebe. Den Krach, den sie gerade gehört haben, war entweder, wie sich Ernst Bloch oder mein Philosophielehrer im Grab umdrehten.
Naja, Sie haben es gemerkt, ich lese gerade Dennett und Bennet und wie sie alle heißen „Neuroscience and Philosophy“. Geht bald wieder vorbei. Aber ich kann ja schonmal warnen, was als nächstes auf meinem Nachtschränkchen liegt: Zorn und Zeit von Sloterdijk.

 

Foto: Frank Martin Dietrich / Photocase.com

Humanismus I

In Alltag, Humanismus, Philosophie, Streitkultur on März 16, 2010 at 6:05 pm

Ich streite mich täglich mit meinem Freund. Es geht dabei nur ganz selten um das Übliche, also Putzen, Geld und Sex. Meist streiten wir uns so laut, dass unser Hund den Schwanz einzieht und aus dem Zimmer schleicht. Die zentrale Frage ist immer: Wer hat Recht? Ein aktuelles Beispiel. Ich stimme mit dem Philosophen John Gray überein, dass Humanismus irgendwie out ist. Dann bekomme ich zu hören, dass das totaler Quatsch sei und ich natürlich unrecht habe. Auch wenn ich einen berühmten englischen Philosophen an meiner Seite habe. Der erste Punkt: Ich wisse ja nicht mal, was Humanismus sei (stimmt). Dreißig Minuten später haben wir beide gegoogelt und der Streit geht weiter. Humanismus, so mein Freund, sei ja wohl das Nonplusultra. Es sagt das intellektueller und außerdem sagt er das auf Englisch. Da kann ich nicht mithalten. Humanismus, lerne ich, ist …ach, das ist mir viel zu anstrengend. Dass man alles schön rational so tun soll, auf dass die Erde ein besserer Ort werde. Das hat auch Michael Jackson schon mal so gesungen.  Statt Religion und Aberglaube folgen die Humanisten dem „Reason“. Ich bin wohl dann ein aktiver Humanist, wenn ich die Welt ein bisschen besser hinterlasse als ich sie vorgefunden habe. Ich fühle, das ist falsch. Als ob wir uns ernsthaft vom Verstand leiten lassen (the gut feeling). Klar, die Sklaverei ist abgeschafft, Frauen haben ein paar mehr Rechte. Aber das kann alles in einem Augenzwinkern auch wieder vorbei sein, oder in hundert Jahren sind mal die Männer versklavt (je länger ich drüber nachdenke …). Zu jedem Quentchen Guten, das wir der Erde vorübergehend zufügen, tun wir in der Regel auch einen Schuss Mieses hinzu. Siehe aktuell die aufgrund der Klimaerwärmung heraufblubbernden Methanblasen in Sibirien. Drei Tage später. Ich hatte wohl ein wenig unrecht mit dem, was ich für Humanismus halte, aber er findet dafür jetzt John Gray ganz prima. Wir haben also nun beide einen neuen gemeinsamen Lieblingsphilosophen (Hier eins seiner Bücher). Streiten verbindet. Ach und hier mein Lieblingszitat von John Gray: “Theories of progress are not scientific hypothesis – they are myths which answer the human need for meaning.“

(Bild: wueStenfUXX/photocase)